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Ogygia

Mythisch2/12MinimalNicht lokalisiertHomerische(r) Name(n): Ὠγυγίη

Kalypsos Insel, auf der Odysseus sieben seiner zehn Jahre in der Fremde verbringt. Die Odyssee verortet sie bewusst im Nirgendwo – als „Nabel des Meeres“ –, was genau der Grund ist, warum ihre Identifizierungen so aufschlussreich sind.

Ogygia ist in den Epen der deutlichste Fall eines Ortes, der sich bewusst einer Kartierung entzieht. Athena nennt sie den Nabel des Meeres; sie wird als waldreich, quellenreich und abgelegen beschrieben, und es wird kein Weg dorthin angegeben – Odysseus kommt an, indem er sich an Wrackteile klammert, und reist auf einem selbstgebauten Floß ab, wobei er siebzehn Tage lang mit dem Großen Bären zu seiner Linken nach Scheria segelt.

Nur dieses letzte Detail ist navigatorischer Natur, und es weist grob nach Westen oder Nordwesten, von wo auch immer Scheria liegt. Alles andere ist Atmosphäre.

Bereits die Antike spekulierte: Plutarch verortet in einem Essay über das Gesicht im Mond ein „Ogygia“ fünf Segeltage westlich von Britannien – eher eine literarische Entlehnung als eine Lokalisierung. Die moderne Identifizierung mit Gozo stammt aus der maltesischen Tradition und entbehrt jeglicher antiken Autorität.

Vorgeschlagene Identifikationen

  • Gozo (lokale Tradition)

    Spekulativ2/12Minimal

    Die bekannteste Identifizierung und die schwächste Art von Evidenz in diesem Atlas: eine lokal überlieferte und von Reiseführern wiederholte Tradition, hinter der kein antiker Text steht und die durch keinerlei Ausgrabungen gestützt wird. Sie wird kartiert, weil der Atlas erfasst, was behauptet wird, und zwar mit dem Konfidenzwert, den die Behauptung verdient – 2 von 12.

    36.0400, 14.2500· Insel

    • TraditionMaltese tradition identifying Gozo (Għawdex) with Calypso’s island
    • PrimärtextHomer, Odyssey 1.48–59; 5.55–75; 7.244–266
    Konfidenz
    2/12 · Minimale Konfidenz
    Textuell
    1
    Archäologisch
    0
    Wissenschaftlich
    0
    Geographisch
    1

Warum diese Klasse

Mythisch: Das Epos verortet die Insel außerhalb der kartierbaren Welt, und keine externe Tradition setzt dies außer Kraft. Die Klasse beschreibt die eigene Geographie des Epos; die Gozo-Hypothese wird separat erfasst und mit einem eigenen Konfidenzwert von 2/12 eingetragen.

Was umstritten ist

Die eigentliche Frage zu Ogygia ist nicht, wo sie liegt, sondern was für ein Ort sie ist. Interpretationen, die sie kartieren – im Atlantik, bei Malta oder in der Adria –, erfordern alle, eine bewusst unlokalisierte Insel als eine unzureichend spezifizierte zu behandeln. Dieser Atlas hält beides auseinander: Der Ort bleibt mythisch, die Behauptungen darüber werden mit ihren Quellen aufgeführt.

Quellen

  • PrimärtextHomer, Odyssey 1.48–59; 5.55–75; 7.244–266
  • PrimärtextPlutarch, De facie quae in orbe lunae apparet 941a
  • TraditionMaltese tradition identifying Gozo (Għawdex) with Calypso’s island